Digitales QMS-System und Auditsymbole | PSUR

Qualitätssicherung als zentraler Faktor industrieller Prozesse

In hochregulierten Industrien, von der Medizintechnik über die Pharmazie bis hin zur Automobilindustrie, ist die Qualitätssicherung (QS) nicht nur eine abteilungsinterne Aufgabe, sondern das zentrale Rückgrat des gesamten Geschäftsmodells. Die öffentliche Erwartung an die Zuverlässigkeit und Sicherheit von Produkten ist heute höher denn je, und die regulatorischen Konsequenzen eines Qualitätsmangels können die finanzielle Existenz eines Unternehmens bedrohen. Eine erfolgreiche Qualitätssicherung ist daher weit mehr als die Endkontrolle; sie ist ein proaktives Managementsystem, das jeden einzelnen Schritt der Wertschöpfungskette – von der Rohstoffbeschaffung bis zum Post-Market-Monitoring – systematisch erfasst und optimiert. Die Logik dahinter ist klar: Die Kosten für einen Produktrückruf, für juristische Haftungsfälle oder den unwiderruflichen Reputationsschaden übersteigen die Investitionen in präventive QS-Maßnahmen um ein Vielfaches. Der Fokus muss auf der Schaffung robuster, reproduzierbarer Prozesse liegen, die menschliche Fehlerquellen minimieren.

Die Null-Fehler-Strategie und die Rolle der QA vs. QC

Obwohl das Ideal der Null-Fehler-Produktion in der komplexen Realität industrieller Fertigung kaum absolut erreichbar ist, dient es als kompromissloser Qualitätsmaßstab. Die Qualitätssicherung (QA – Quality Assurance) konzentriert sich primär auf die Prävention: Sie entwickelt, plant und validiert die Prozesse, um Fehler von vornherein auszuschließen. Sie ist proaktiv. Im Gegensatz dazu ist die Qualitätskontrolle (QC – Quality Control) reaktiv und befasst sich mit der Prüfung des fertigen Produkts oder von Zwischenstufen, um bereits aufgetretene Mängel zu identifizieren und auszuschleusen. Ein modernes Qualitätsmanagementsystem (QMS) verschiebt die Gewichtung klar zur QA, da die Behebung eines Fehlers in der Endkontrolle immer teurer ist als seine Vermeidung. Die Prozessvalidierung – der dokumentierte Beweis, dass ein Prozess konsistent ein Produkt liefert, das den Spezifikationen entspricht – ist dabei das Kernstück der proaktiven Qualitätssicherung und eine regulatorische Pflicht.

Illustration zeigt Qualitätsskala auf Maximum | PSUR

Die Rückverfolgbarkeit als Basis der Integrität

Die Fähigkeit zur lückenlosen Rückverfolgbarkeit (Traceability) ist in der Industrie eine der wichtigsten Säulen der Qualitätssicherheit und des Verbraucherschutzes. Sie ermöglicht es im Falle eines Produktmangels, schnell die betroffene Charge zu identifizieren, deren Ursache im Herstellungsprozess zu lokalisieren und präzise Rückrufaktionen durchzuführen, ohne unnötig große Mengen an unbedenklichen Produkten aus dem Verkehr ziehen zu müssen. Diese Rückverfolgbarkeit erstreckt sich über die gesamte Lieferkette: vom ursprünglichen Rohstofflieferanten über jeden einzelnen Produktionsschritt bis hin zum Endkunden. Insbesondere in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie ist die Chargenverwaltung kritisch, da menschliche Gesundheit auf dem Spiel steht. Die Rückverfolgbarkeit ist somit die Voraussetzung für schnelle Reaktion, minimiert den wirtschaftlichen Schaden im Krisenfall und erfüllt zentrale gesetzliche Anforderungen. Ohne ein robustes System zur Dokumentation des Warenflusses kann die Qualität der Produkte nicht garantiert werden.

Kontinuierliche Sicherheitsdokumentation

Für Produkte, die einem hohen regulatorischen Risiko unterliegen – wie neue Arzneimittel oder implantierbare Medizinprodukte –, endet die Verantwortung nicht mit der Marktzulassung. Die juristische Pflicht erfordert eine kontinuierliche Marktüberwachung (Vigilance), um die Sicherheit und das Nutzen-Risiko-Verhältnis über die gesamte Lebensdauer des Produkts zu bewerten. Diese aktive Sammlung und Bewertung von Daten aus der klinischen Anwendung und wissenschaftlicher Literatur muss in regelmäßigen Zyklen zusammengefasst und den Aufsichtsbehörden vorgelegt werden. Ein zentrales Dokument, das diese Langzeitüberwachung zusammenfasst und bewertet, ist der sogenannte PSUR (Periodic Safety Update Report –> https://www.spectrum-md.com/), dessen lückenlose Erstellung eine entscheidende regulatorische Pflicht darstellt. Der PSUR fasst alle aufgetretenen Vorkommnisse, das Feedback der Anwender und die Ergebnisse der klinischen Studien zusammen und dient den Behörden als Grundlage für die Neubewertung der Zulassung. Die pünktliche, korrekte Einreichung dieses Berichts ist ein nicht verhandelbares Kriterium für die Einhaltung der Vorschriften.

Die 5 Säulen eines robusten QMS

Ein effektives QMS (Qualitätsmanagementsystem) ist mehr als eine Ansammlung von Dokumenten; es ist ein ganzheitliches System, das alle Bereiche der Organisation durchdringt und das Risiko aktiv minimiert.

  • Dokumentation und SOPs: Die lückenlose, standardisierte Verschriftlichung aller Prozesse (Standard Operating Procedures) als Basis für reproduzierbare Qualität.

  • Risikomanagement: Die systematische Analyse und Bewertung potenzieller Fehler (z.B. FMEA) in allen Phasen von Entwicklung und Produktion.

  • Mitarbeiterschulung: Die kontinuierliche und dokumentierte Schulung des Personals in den relevanten SOPs und Qualitätsstandards.

  • Prozessvalidierung: Der formelle Beweis, dass jeder Herstellungsschritt konstant die gewünschten Spezifikationen liefert.

  • Korrektive und Präventive Maßnahmen (CAPA): Das System zur systematischen Behebung von aufgetretenen Mängeln und zur Ableitung präventiver Maßnahmen für die Zukunft.

Digitalisierung als Qualitätstreiber in der Industrie

Die vierte industrielle Revolution (Industrie 4.0) hat der Qualitätssicherung völlig neue Werkzeuge an die Hand gegeben, die die traditionellen manuellen Prozesse revolutionieren. Moderne CAQ-Systeme (Computer-Aided Quality Assurance) ermöglichen die digitale Erfassung von Prüfdaten in Echtzeit und die sofortige Warnung bei Prozessabweichungen, was eine schnellere Korrektur und eine Reduzierung von Ausschuss ermöglicht. Die Vernetzung von Maschinen und die Nutzung von Big Data zur Prozessanalyse erlauben die frühzeitige Identifizierung von Mustern, die auf eine potenzielle Störung hindeuten (Predictive Quality). Zudem sorgt die Digitalisierung für eine automatische und fälschungssichere Dokumentation aller Prüfschritte, was die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen erheblich vereinfacht. Die konsequente Nutzung digitaler Technologien ist somit ein entscheidender Hebel zur Steigerung der Prozesseffizienz und der Qualitätssicherheit.

Der Schmerzpunkt der Nachverfolgung

Dr. Anna K., 40, Leiterin Qualitätssicherung in einem Pharmaunternehmen, berichtet von den Lehren aus einem Rückruf.

„Vor einigen Jahren hatten wir einen Vorkommnis, der einen Rückruf einer unserer Medikamentenchargen erforderlich machte. Der Schmerzpunkt war die manuelle, papierbasierte Rückverfolgung. Wir mussten wochenlang Dokumente sichten, um herauszufinden, welche Zuliefererkomponenten in welcher Charge verwendet wurden und welche Kunden die betroffenen Produkte erhalten hatten. Die Kosten und die juristische Unsicherheit waren immens. Diese Erfahrung war ein Wendepunkt: Wir haben danach massiv in ein vollintegriertes QMS-System investiert, das jede Komponente und jeden Verarbeitungsschritt digital erfasst und die Rückverfolgbarkeit auf Knopfdruck ermöglicht. Das neue System war teuer, aber es war die beste Investition in unsere Geschäftsintegrität. Heute schützt uns diese lückenlose Dokumentation nicht nur vor dem nächsten Rückruf, sondern vereinfacht auch die Erstellung unserer regulatorischen Berichte massiv.“

Wortwolke 'Total Quality Management' auf Tafel | PSUR

Qualität als ultimativer Wettbewerbsvorteil

Qualitätssicherung ist der zentrale Faktor, der die Wettbewerbsfähigkeit und die juristische Integrität eines Unternehmens sichert. Sie ist eine Daueraufgabe, die den Einsatz moderner Technologien und ein tiefes Verständnis für die regulatorischen Anforderungen erfordert. Durch die systematische Prozessvalidierung, lückenlose Rückverfolgbarkeit und die kontinuierliche Marktüberwachung – dokumentiert etwa im PSUR – wird das Risiko minimiert. Die Investition in ein robustes QMS ist nicht nur eine Pflicht, sondern die ökonomisch klügste Entscheidung, um langfristig am Markt zu bestehen.

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